Nach dem Patientengespräch beginnt für viele Hausärztinnen und Fachärzte die zweite Schicht: Die Anamnese muss in die Akte, sauber gegliedert und in der Praxisvorlage. Die Idee liegt nahe, das Gespräch oder ein kurzes Diktat direkt in ein strukturiertes Dokument zu verwandeln. Dieser Artikel zeigt, was das realistisch bringt, wo die Grenzen liegen und was Praxen vor dem Einsatz prüfen sollten.

Wie viel Zeit spart Diktieren wirklich?
Im Netz kursieren grosse Versprechen. Wir halten uns an das, was sich belegen lässt, und trennen Studien von Herstellerangaben.
Studien:
- Eine in JAMA veröffentlichte Untersuchung, über die STAT berichtet, fand bei Nutzenden 16 Minuten weniger Dokumentationszeit und 13 Minuten weniger Zeit in der Patientenakte pro acht Stunden Patientenversorgung. Auf die Zeit ausserhalb der Arbeitszeit hatte das keinen signifikanten Einfluss. Eine frühere STAT-Auswertung publizierter Arbeiten sah Einsparungen von unter einer Minute pro Notiz.
- Eine JMIR-Studie aus Singapur mass 169 Konsultationen: Die Dokumentationszeit sank von durchschnittlich 5,3 auf 4,5 Minuten pro Konsultation (minus 15,0 Prozent). Der Augenkontakt-Anteil stieg um 10,6 Prozent. Die Gesamtzeit pro Patient blieb mit 13,7 gegenüber 13,2 Minuten statistisch unverändert.
- Auf einer Notfallstation sank die mediane Dokumentationszeit laut PubMed-Eintrag von 3:50 auf 2:45 Minuten (minus 28 Prozent). Allerdings nutzten nur 11,2 Prozent der Fälle die Technik, und nur 35 von 92 Ärzten setzten das Tool ein (Publikation 2025).
Herstellerangaben (ohne nachvollziehbare Methodik): Softtrend nennt bis zu 50 Prozent Zeitersparnis laut Anwender-Feedback, Medicusdata spricht von bis zu 50% weniger Zeit für administrative Dokumentation. Der AlpineAI-Chef berichtet laut 20 Minuten (30. Juli 2025) von Ärzten mit bis zu 80 Prozent Zeitersparnis bei Patienten-Protokollen. Das sind Selbstauskünfte der Anbieter.
Unser Fazit zu den Zahlen: Eine pauschale Ersparnis von 20 Minuten pro Patient finden wir in keiner dieser Quellen. Realistischer ist: Die Dokumentation wird spürbar kürzer, und die gewonnene Zeit kann dem Gespräch zugutekommen. Das ist ein echter Gewinn, aber kein Wunder.
Warum die Praxisvorlage den Unterschied macht
Ein Diktat nützt wenig, wenn danach alles von Hand in die richtige Struktur gebracht werden muss. Der AMA-Beitrag vom 11. Juni 2025 (Stand älter als sechs Monate) nennt als Hürden die fehlende Integration in Notiz-Vorlagen und den Eindruck, das Bearbeiten KI-erzeugter Notizen dauere länger als Tippen von Grund auf.
Daraus folgt für die Praxis: Entscheidend ist, dass aus dem Gesprochenen direkt ein Dokument in der gewohnten Gliederung entsteht, etwa mit Rubriken für Beschwerden, Vorgeschichte, Medikation und Procedere.
So geht es mit sprichmal
sprichmal bietet dafür den Anwendungsfall «Medical Reports»: Du diktierst Patientennotizen und erhältst formatierte medizinische Dokumentation. Eigene Vorlagen entstehen aus 1 bis 3 Beispieldateien von höchstens 10 MB, bis zu 10 Vorlagen pro Konto. Das ist Teil von Pro und der Founderlizenz. Die Erkennung funktioniert mehrsprachig, auch auf Schweizerdeutsch.
Zu den Kosten laut sprichmal.ch: Der Gratis-Plan umfasst 5 Dokumente pro Monat ohne Kreditkarte, Pro kostet CHF 14 pro Monat (monatlich kündbar) oder CHF 99 pro Jahr. Die Founderlizenz kostet CHF 299 einmalig, limitiert auf 100 Lizenzen und nur bis 31. Oktober 2026.
Zum Vergleich, jeweils mit anderem Produkttyp: Medicusdata nennt CHF 80 pro Monat für Dictate, CHF 50 für Chat, CHF 80 für Listener und CHF 180 pro Monat für das Komplettpaket. AlpineAI verlangt CHF 80 (Standard) bzw. CHF 90 (Premium inkl. Listener) pro Monat und User-Lizenz. Das sind teils spezialisierte, tiefer integrierte Lösungen für Arztpraxen. Preise allein sagen darum wenig über den Funktionsumfang.
Grenzen: Namen, Zahlen und das Gegenlesen
Auch gute Spracherkennung hat Schwachstellen. Unomed (Oktober 2026) formuliert es so: «Die Grenze liegt bei Eigennamen und Zahlen.» Patientennamen, Medikamentendosierungen und Laborwerte sind die Stellen, an denen ein Fehler teuer wird. Gegenlesen bleibt Pflicht.
Der Zürcher KI-Sandbox-Leitfaden weist ebenfalls auf fehlerhafte Transkriptionen und sachliche Fehler hin. Menschliche Kontrolle bleibe unerlässlich.
Eine praxistaugliche Routine lautet deshalb: Vorlage wählen, diktieren, Namen, Dosierungen und Werte kurz gegenlesen, freigeben. Das Gegenlesen gehört fest dazu, es ist kein Zeichen, dass die Technik versagt.
Datenschutz: Das solltest du vor dem Einsatz klären
Patientendaten sind besonders schützenswert, und hier gilt es, sorgfältig zu sein. Wichtige Punkte aus den offiziellen und juristischen Quellen:
- Hilfspersonen und Arztgeheimnis: Laut EDÖB zählen IT-Dienstleister zu den Hilfspersonen. Die Nutzung von Cloud-Diensten im Ausland sei «in jedem Fall zu vermeiden», weil ausländisches Recht nicht immer einen Schutz bietet, der Artikel 321 StGB entspricht. Aus Vorsichtsgründen wird eine Einwilligung bei Cloud-Nutzung empfohlen.
- Vertrag und Training: Bratschi (Juli 2025, Stand älter als sechs Monate) hält fest, dass die Verwendung von Behandlungsinformationen zum Training einer KI-Applikation grundsätzlich unzulässig ist und das IT-Unternehmen als Hilfsperson zur Geheimhaltung zu verpflichten ist.
- Aufzeichnung im Sprechzimmer: Unomed weist darauf hin, dass eine Ambient-Aufzeichnung die ausdrückliche Einwilligung der Patientinnen und Patienten braucht und dass US-Unternehmen unter den CLOUD Act fallen, auch wenn ihre Server in der Schweiz stehen.
Wo steht sprichmal? Laut Produkt-Website werden Dokumente und Transkripte verschlüsselt in Frankfurt (AWS, EU) gespeichert und gemäss DSGVO und revDSG verarbeitet, und das Unternehmen trainiert nicht mit deinen Inhalten. Frankfurt liegt aus Schweizer Sicht im Ausland. Wir behaupten deshalb nicht, dass sprichmal pauschal für jede Arztpraxis datenschutzkonform sei. Ob der Einsatz in deiner Praxis zulässig ist, muss deine Praxis anhand von Hilfspersonen-Verpflichtung, Vertrag und Patienteneinwilligung selbst bzw. mit juristischer Beratung klären. Wer Schweizer Rechenzentren zwingend braucht, findet bei AlpineAI Speicherung und Verarbeitung in ISO-27001-zertifizierten Schweizer Rechenzentren, bei Evoya Swiss Hosting (mit dem Hinweis, dass bei externen Sprachmodellen die Verarbeitung ausserhalb der Schweiz stattfinden kann).
Selbsttest: Eine Woche messen statt glauben
Weil die Studienlage so unterschiedlich ist, lohnt sich ein eigener Test:
- Eine Vorlage aus einer eigenen, anonymisierten Beispielanamnese erstellen.
- Eine Woche lang Dokumentationszeit pro Patient notieren, mit und ohne Diktat.
- Fehler bei Namen, Dosierungen und Werten separat zählen.
- Erst danach entscheiden, ob und wie der Einsatz in den Praxisalltag passt.
Für den ersten Test mit anonymisierten Beispieltexten genügt der Gratis-Plan mit 5 Dokumenten pro Monat. Echte Patientendaten gehören erst in den Test, wenn die Datenschutzfragen oben geklärt sind.
Fazit
Anamnese diktieren statt tippen kann die Dokumentation verkürzen und Zeit für das Gespräch freimachen. Die Studien zeigen Einsparungen im Bereich von rund einer Minute pro Konsultation bis zu 16 Minuten pro acht Stunden Patientenversorgung, keine 20 Minuten pro Patient. Der Nutzen steht und fällt mit der passenden Praxisvorlage, dem konsequenten Gegenlesen von Namen und Zahlen und einer sauber geklärten Datenschutzgrundlage.
Unsere Einschätzung
Offenlegung: Dieser Abschnitt ist eine redaktionelle Einschätzung von sprichmal.ch — eine Meinung, die die oben belegten Fakten einordnet, aber keine neuen Fakten oder Zahlen einführt. sprichmal.ch ist selbst Anbieter in diesem Markt; wir vergleichen offen und fair, statt Wettbewerber schlechtzureden.
Aus unserer Sicht ist der grösste Hebel nicht die Spracherkennung selbst, sondern die Vorlage: Wenn aus dem Diktat direkt ein Dokument in der gewohnten Praxisstruktur entsteht, bleibt wenig Nacharbeit. Das deckt sich mit dem, was der AMA-Beitrag als Hürde beschreibt. Deshalb setzen wir bei sprichmal auf eigene Vorlagen aus Beispieldokumenten statt auf starre Standardformate.
Wir halten die Studienlage für ermutigend, aber nüchtern. Wer Versprechen von 50 oder 80 Prozent hört, sollte nach der Methodik fragen und lieber eine Woche selbst messen. Unsere Empfehlung ist ein Ablauf aus Vorlage, Diktat und kurzem Gegenlesen, mit dem Gratis-Plan und anonymisierten Beispielen als risikoarmem Einstieg.
Fair gegenüber den Mitbewerbern: Medicusdata, AlpineAI und Evoya sind auf Arztpraxen zugeschnitten, und AlpineAI sowie Evoya werben mit Schweizer Hosting. Wer Schweizer Rechenzentren zwingend braucht, ist dort besser aufgehoben. sprichmal ist die schlankere, günstigere Option für alle, die aus gesprochenen Notizen schnell ein sauberes Dokument in eigener Vorlage wollen und die Datenschutzfrage für ihre Praxis bewusst geklärt haben.
Wenn du selbst prüfen möchtest, wie aus einem kurzen Diktat ein Dokument in deiner eigenen Vorlage wird, kannst du das mit anonymisierten Beispieltexten im Gratis-Plan ausprobieren: in 4 Fragen herausfinden, was SprichMal dir bringt.